Quer durch die Welt
Transeurasischer Autotransport
Überspringen: Transeurasischer AutotransportEs ist eine Strecke wie aus einem Abenteuerroman: Von Leipzig aus geht der Weg über Polen und Weißrussland nach Moskau; von dort über die Gleise der Transsibirischen Eisenbahn immer weiter nach Osten. Über den Ural und vorbei an dem Obelisken, der die Grenze zwischen Europa und Asien markiert. Auf seinem Weg durch die unendliche Weite des russischen Riesenreichs passiert der Zug Perm, Jekaterinburg, Omsk und Krasnojarsk, bevor er nahe der Stadt Manzhouli die Grenze nach China überquert. Ziel der fast 11.000 Kilometer langen Reise: Shenyang, ehemalige Hauptstadt der historischen Mandschurei.
Shenyang im Nordosten Chinas ist größer als Berlin und ein Zentrum der chinesischen Autoindustrie. BMW betreibt hier in einem Joint Venture mit dem chinesischen Unternehmen Brilliance ein Werk. Anfang 2011 hat DB Schenker Rail Automotive im Auftrag des bayerischen Herstellers erste Testzüge über den Landweg geschickt. Seit Ende November rollt nun täglich ein Containerzug – beladen mit Autoteilen – nach Shenyang. "Dass wir für die äußerst anspruchsvolle Automobilindustrie auch für solche langen Transporte das Vertrauen bekommen, das sehen wir als Anerkennung und Ansporn", sagt DB-Vorstand Dr. Karl-Friedrich Rausch. "Wir arbeiten bei DB Schenker außerdem an Lösungen, wie wir unsere diversen China-Züge sinnvoll bündeln und damit effizienter fahren können." Zwischen Chongqing und Duisburg sind in diesem Jahr – betreut von DB Schenker – ein Dutzend Züge im Auftrag internationaler Elektronikkonzerne gefahren.
Der große Vorteil der transeurasischen Landbrücke: Die Züge benötigen knapp die Hälfte der Transportzeit im Vergleich zum Seeschiff.
Mit dem neuen China-Zug erreichen die BMW-Lieferungen innerhalb von 23 Tagen Shenyang, das im chinesischen Hinterland liegt. Mit 40 Containern verlassen die Waggons den Umschlagbahnhof Leipzig-Wahren. Ihr Inhalt: komplette Bausätze für BMW-Modelle, die in China zu Autos für den chinesischen Markt montiert werden. Ein Fahrzeug besteht aus rund 8.000 Teilen, die in Leipzig verpackt und in Container verstaut werden und anschließend die Reise nach China antreten. Sub-Unternehmen von DB Schenker Rail Automotive ist die Firma Far East Landbridge, die im Schwerpunkt für die innerasiatische Abwicklung der Transporte zuständig ist und mit BMW bereits Geschäftsbeziehungen unterhält.
Wechsel zwischen den Welten
Für die Lagerung und Verpackung der Komponenten richtet DB Schenker Logistics im Leipziger Norden im Auftrag von BMW in diesen Wochen ein neues Logistikzentrum mit 63.000 Quadratmetern Fläche ein. Hier werden die Container beladen und per Lkw zum Verladebahnhof geschickt. Von Leipzig aus wird auch – allerdings nicht über die Schiene – das BMW-Werk im südafrikanischen Rosslyn beliefert.
Die Bahntransporte nach China steuert DB Schenker Rail Automotive als Generalauftragnehmer in Kooperation mit den Eisenbahngesellschaften der Transitländer und Chinas. Unterwegs sind Übergaben zu organisieren und Zollformalitäten zu regeln. Monatelange Verhandlungen waren dem Start der Verkehre vorangegangen, um reibungslose Prozesse sicherzustellen.
Doch nicht nur in organisatorischer, auch in technischer Hinsicht stellt der Verkehr besondere Anforderungen. Gleich zweimal muss die Ladung auf ihrem Weg auf Waggons mit anderer Spurbreite umgekrant werden. Denn an der Grenze Polens zu Weißrussland endet die europäische Normalspur, und es beginnt das Reich der russischen Breitspur, das bis zur russisch-chinesischen Grenze reicht. Dort geht es wieder auf Normalspur-Gleisen weiter.
"Der Kunde muss hundertprozentig mit den Lieferungen kalkulieren können, und darum müssen wir nicht nur schnell, sondern auch absolut zuverlässig sein", weiß Axel Marschall, Chef von DB Schenker Rail Automotive. "Damit auf so einer langen Strecke und mit so vielen beteiligten Partnern nichts beschädigt wird oder verloren geht, kommt es entscheidend auf Verpackung und Ladungssicherung an. Und bei Minustemperaturen von bis zu 30 Grad müssen wir die Fracht außerdem vor Frostschäden schützen." Seit November fahren die China-Züge für BMW täglich – die Versorgung des Werks in Shenyang hat damit ihren dauerhaft angestrebten Takt erreicht. Doch für Marschall steht damit das Projekt China-Zug erst an seinem Anfang. "Das Interesse weiterer Autohersteller ist groß", sagt der Manager. "Von einigen haben wir mittlerweile konkrete Anfragen erhalten, um sie bei der Logistik nach Asien per Schiene zu unterstützen.“ Und auch an der Rückladung wird gearbeitet. "Verschiedene asiatische Firmen haben bereits Interesse bekundet, unseren Zug für Transporte nach Europa zu nutzen", so Marschall.
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Letzte Aktualisierung: 06.01.2012
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