Netzwerkbahn
Enger Dialog mit den Kunden zur Netzwerkbahn
Netzwerkbahn, das neue Geschäftsmodell von DB Schenker Rail nimmt Fahrt auf.
Im railways-Interview spricht Sven Löffler, Projektleiter Vertrieb Netzwerkbahn bei DB Schenker Rail, über die Ergebnisse einer Marktforschung im vergangenen Herbst und über die nächsten Schritte.
Herr Löffler, mitten in der ersten Umsetzungsphase des neuen Geschäftsmodells Netzwerkbahn haben Sie eine Marktforschung in Auftrag gegeben. Warum?
Sven Löffler: Für uns ist es extrem wichtig, dass wir so früh wie möglich ein Kundenfeedback erhalten, das wir dann in die weitere Konzeption des Geschäftsmodells einbeziehen können. Dazu haben wir in Deutschland Kunden aus allen Branchen unabhängig befragen lassen. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) führte die Marktforschung im vergangenen Herbst durch. Herzlichen Dank allen Kunden, die sich die Zeit genommen und uns geantwortet haben!
Wie haben die Kunden denn reagiert? Wie ist die Stimmung zur Netzwerkbahn?
DB Schenker Rail ist bei der Implementierung des Geschäftsmodells im vergangenen Jahr einen großen Schritt weitergekommen. Wir sind erstmals offensiv auf einen großen Teil unserer Kunden zugegangen und haben diese informiert. Sie verstehen die Notwendigkeit dieser umfassenden Neuorganisation unseres Geschäfts und stehen ihr grundsätzlich positiv gegenüber. Die Kunden wollen verstehen, welche Chancen sich für sie durch Netzwerkbahn ergeben, und sind an einem engen Austausch mit DB Schenker Rail interessiert.
Aus welchen Gründen halten Kunden Netzwerkbahn denn für notwendig?
Die Kunden spiegeln uns, dass für sie Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit bei der Transportdauer von zentraler Bedeutung sind und dass sie mit dem Status quo häufig unzufrieden sind. Was vielleicht auf den ersten Blick negativ klingt, bestärkt uns jedoch, denn die Verbesserungen bei diesen beiden Punkten sind wesentliche Elemente der Netzwerkbahn. Die Ziele unserer Kunden stimmen also mit unseren überein: Netzwerkbahn wird die Planbarkeit ihrer Supply Chains erhöhen, denn wir werden zuverlässiger unterwegs sein und, zum Beispiel im Störungsfall, besser und proaktiver als bisher informieren. Außerdem schaffen wir so eine Lösung, mit der wir auch in Zukunft Einzelwagenverkehr in Deutschland für unsere Kunden erhalten und stärken können. Wir ziehen uns aus diesem Geschäft nicht zurück, sondern wollen vielmehr unsere Leistung hier nachhaltig verbessern.
Welche Kritik und welche Sorgen haben die befragten Unternehmen geäußert?
Manche Kunden befürchten eine Einschränkung der Flexibilität. Das zeigt uns, dass wir unser Konzept noch deutlicher und kundenindividueller kommunizieren müssen. Denn unsere Kunden werden wie bisher auch weiterhin flexible Mengen in flexiblen Relationen beauftragen können. Wir führen aber unsererseits ein Kapazitätsmanagement ein, welches bei der Buchung der Sendung durch den Kunden eine sofortige Rückmeldung gibt, ob wir zum gewünschten Zeitpunkt fahren können. Wenn nicht, schlagen wir Alternativen vor. Außerdem erhalten die Kunden direkt bei der Buchung eine Angabe zum geplanten Empfangszeitpunkt der Sendung, was die Planbarkeit gerade für die Empfänger wesentlich erhöht.
Auch bei bahneigenen leeren Wagen erwarten die Kunden Verbesserungen?
Ja, künftig erhalten auch unsere Leerwagen intern verbindliche, kapazitätsgeprüfte Transportpläne, sodass wir frühzeitig erkennen können, ob ein Leerwagen pünktlich zum Kunden kommt oder nicht. Außerdem können wir ab 2014 mehrmals täglich automatisch unsere Leerwagen disponieren, wovon wir ebenfalls eine höhere Gestellungsquote bei den Güterwagen erwarten.
DB Schenker Rail hat rund 4.000 Kunden, von denen noch nicht jeder das neue Geschäftsmodell kennt. Wie gehen Sie weiter vor?
Wir realisieren die Einführung in einem mehrjährigen Prozess als kontinuierlichen Hochlauf, durch den wir gemeinsam mit den Kunden wertvolle Erfahrungen sammeln und den Prozess immer weiter optimieren können. Dadurch ergibt sich, dass die Umstellung nicht bei allen Kunden gleichzeitig geschieht und unsere Verkäufer ihre Kunden rechtzeitig nach und nach ansprechen. Wir überrumpeln niemanden, sondern wollen uns vielmehr gemeinsam mit unseren Kunden die Zeit nehmen, um interne Prozesse zu analysieren, erforderliche Umstellungen zu begleiten und aus den vorherigen Schritten zu lernen.
Was steht in diesem Jahr konkret an?
2013 beginnen wir erstens den Hochlauf der Mengen im Kapazitätsmanagement, mit dem wir Erfahrungen sammeln wollen, so wie unsere Kunden auch. Wir werden im Detail analysieren, was gut funktioniert – und wo wir noch nachbessern müssen. Zweitens werden wir die Verknüpfung von Ganzzügen und Einzelwagen ausbauen. Und last but not least werden wir die nicht mehr so zeitgemäße Faxbeauftragung in diesem Jahr auf unser Web-Portal RailServiceOnline umstellen. Das Thema Netzwerkbahn wird in diesem Jahr weiter Fahrt aufnehmen und unsere Kunden sind mit dabei!
Letzte Aktualisierung: 16.04.2013
